Montag, 3. Mai 2010

Öl geht uns alle an

Öl geht uns alle an

- ein Plädoyer für verantwortungsvolleres Handeln -


Da zeichnet sich eine riesige Katastrophe ab. Eine Ölkatastrophe. Ausgelöst von der Gier der Menschen nach mehr und mehr billigem und energiereichem Rohstoff für die Befriedigung scheinbarer Bedürfnisse. Für das Aufrechterhalten einer westlichen Lebensweise, die nicht auf Dauer aufrecht erhalten werden kann. Nein, die Ära der ölverseuchten Strände und schwarz verklebten Vögel ist noch nicht vorüber, sie hat gerade vielleicht erst wieder so richtig begonnen.

Es scheint sicher, dass es zu einer großen Tragödie kommen wird. Die vielfältige Tierwelt im Golf von Mexiko wird extrem darunter leiden, ebenso die Küstenbewohner und alles was sonst noch so von einem gesunden Meer abhängt. Die Fische ebenso wie die Hoteliers. Vor der Umweltzerstörung sind alle Lebewesen gleich.

So böse das jetzt auch klingen mag- aber ich bin fast froh darüber, dass sich die aktuelle Ölkatastrophe vor der Haustür der USA abspielt. Direkt an der Küste desjenigen Landes, das durch seinen großen Energiehunger eine große Mitschuld an den vielen Öl-Katastrophen trägt, welche es vielleicht nicht alle in die Massen-Medien geschafft haben. Desjenigen Landes, das für die Befriedigung seiner Bedürfnisse an schwarzem Gold auch nicht davor zurückschreckt Terrorregime zu unterstützen, Atomwaffen zu verbreiten und Kriege zu führen. Nun wird dieses Land wieder auf den Boden der Umwelt-gegebenen Tatsachen zurückgeführt. Und im Glaube an die unerschütterliche Allmacht technischer und politischer Möglichkeiten erschüttert. Und das ist gut so.
Denn würde etwas vergleichbares beispielsweise an der Afrikanischen Küste passieren, traue ich mich zu behaupten, dass die mediale und politische Anteilnahme nicht auch nur annähernd so groß wäre. Die USA sind halt wichtiger; als Exportland für die Europäische Wirtschaft ebenso wie als großer Bruder im Ringen um die im Schwinden geglaubte abendländische Identität der westlichen Welt.

Der Golfstrom, welcher Europa mit warmer Meeresströmung aus der Region am Äquator versorgt und so ein gemäßigtes Klima bei uns herbeiführt, wird uns Europäern früher oder später aber auch sehr deutlich zeigen, wie klein unsere Welt in Wirklichkeit ist. Wenn sich das erste Öl aus dem Golf von Mexiko an Europäischen Küsten verteilt, dann sind auch wir Europäer direkt betroffen von der vielleicht größten Umwelt-Katastrophe der Menschheit. Gleich nach dem – durch Verbrennung fossiler Rohstoffe ebenfalls im Prinzip durch Öl verursachten – sich bereits anbahnenden Klimawandel. Der Plastikteppich im Pazifik ist für die selbsternannte „erste Welt“ eigentlich kein großes Thema, ebenso die mit großer Selbstverständlichkeit geführte Endlagerung Europäischen (Sonder-) Mülls in Afrika. Selbst der Klimawandel scheint als ein Phänomen abgestempelt, welches eine Hand voll Inseln im Pazifik betreffen wird. „Nur nicht das Wirtschaftswachstum bremsen“, scheint auch in einer Zeit der drohenden Umweltkatastrophen – auch anderer Art als Erdölverursacht – das höhere Gut zu sein. Das wir uns damit weiter der eigenen Lebensgrundlager entledigen sei an dieser Stelle durchaus einmal angemerkt.

Die USA waren auch immer schon Vorreiter in Sachen Erdölindustrie. Als vor fast 200 Jahren das Erdöl seinen Siegeszug bei der Öllampe angefangen über den Verbrennungsmotor bis in die moderne Werkstoff- und Pharmaindustrie antrat, ahnte wohl niemand in welch große Abhängigkeit man sich damit begab.
Quasi das gesamte Transportwesen der Menschheit ist vom Erdöl abhängig, ebenso die Unterhaltungsindustrie und auch nahezu die gesamte industrialisierte Nahrungsmittelerzeugung. Ohne Erdöl gibt es keinen Treibstoff für Traktoren, chemisch-synthetische Dünger für die modernen Hochleistungspflanzen und Sprit für die LKW's, die die Nahrungsmittel dann im ganzen Land verteilen.
Die Menschheit schloss – pathetisch ausgedrückt – quasi einen Pakt mit dem Teufel. Über wenige hundert Jahre wird es möglich auf einfache Art und Weise einen hoch-energetischen Rohstoff mit vielen praktikablen Eigenschaften zu fördern. Über die Langzeitfolgen eines solchen Handelns wird man sich nun langsam bewusst. Hätte man nicht auf eine solche Energiequelle zurückgreifen können, hätte die Entwicklung der letzten 200 Jahre wohl nie in diesem rasanten Tempo stattfinden können. Das Verwenden von energiereichem Erdöl hat den Menschen in den Industrieländern erst zu dem Fortschritt verholfen, den wir heute als so selbstverständlich voraussetzen. Und den wir nicht bereit sind aufzugeben. Auch nicht in dem Wissen, dass uns ständiges Wirtschaftswachstum und Konsum zwangsläufig den Untergang bescheren werden. An dieser Marschrichtung werden auch technische Innovationen nicht viel ändern können.

Die Schuld für die Ölpest einem Ölkonzern in die Schuhe schieben zu wollen, ist zu kurz gegriffen. Jeder von uns sollte sich da an der Nase nehmen und in erster Linie sein Konsumverhalten überdenken. Denn Unternehmen handeln nur dort, wo es etwas zu verdienen gibt. Und jeder Mensch, der energieintensiv lebt, macht sich somit zwangsläufig mitschuldig. In zweiter Linie ist sicherlich auch die politische Verantwortung jedes Einzelnen Menschen einzuklagen. Denn wenn es der Wähler nicht anders will, werden diejenigen politischen Kräfte an der Macht sein, welche es den großen Konzernen durch „schonende Behandlung“ erst ermöglichen drastische wie rücksichtslose Eingriffe in unserer Lebensumgebung vorzunehmen.
Des weiteren hat sich wieder einmal gezeigt, dass technische Systeme, mögen sie auch als noch so sicher und zuverlässig gelten, auch einmal nicht so funktionieren können wie sich das der Erfinder vorstellt. Wird davon gesprochen wie sicher eigentlich diese Ventile seien, welche das Ausströmen von Rohöl ins Meer wie im aktuellen Fall verhindern sollten, dann komme ich nicht herum zwangsläufig an die Titanic denken zu müssen. Das unsinkbare Schiff, das schon bei seiner ersten Fahrt von der Unerbittlichkeit der Realität eingeholt wurde. Es gibt keine absolut sichere Technik, auch wenn wir uns das gerne glauben machen möchten. Wenn dann in anderen Themenbereichen von einer „Endlagerung“ von verflüssigtem CO2 im Boden oder „absolut sicheren“ Atomkraftwerken die Rede ist, muss mir nur ein Wort (exemplarisch für viele andere) durch den Kopf gehen um dieses blinde Übersehen menschlicher Unzulänglichkeit in Bezug auf seine Ohnmacht gegenüber höheren Gewalten auf der Welt in seinen Grundfesten zu erschüttern: Erdbeben.
Der Mensch ist nicht in der Lage alles kontrollieren und vorhersehen zu können- dessen sollten wir uns in unserem Handeln stets bewusst sein.

Paradoxer Weise sind es die Überreste von Lebewesen, die schon vor Urzeiten ihren letzten Lebensgeist ausgehaucht haben, die sich in Form eines Ölteppichs über den Weltmeeren auszubreiten anfangen. Sie starben, als es die 'Krönung der Evolution' noch nicht einmal ansatzweise gab. Während uns die aktuelle Ölkatastrophe bildlich vor Augen führt, dass wir mit der fortschreitenden Verwendung von – im Besonderen – fossilen Rohstoffen einen im Prinzip alles andere als sauberen Energielieferanten verwenden, muss sich doch spätestens jetzt massiv die Forderung nach anderen, sauberen und nachhaltigen Energieformen stellen. Ansonsten wird es zwangsläufig weiter zu Katastrophen kommen, von denen wir nur hoffen können, dass sie nicht so fatal ausfallen werden wie die jetzige. Noch ganz zu schweigen von den langfristigen Folgen durch die Ölnutzung, welche aber sicher noch in Form des Klimawandels über uns hereinbrachen werden.

Warum brauchen Menschen immer die real existente Katastrophe vor Augen und auch am eigenen Grund und Boden, um begreifen zu können, dass die Welt viel zu klein geworden ist um mit ihr machen zu können was nur ökonomisch sinnvoll ist. Wir sind längst über einen Punkt hinaus gekommen, an dem wir nur Teil der natürlichen Lebensumgebung sind. Wir versuchen die komplexen Abläufe dieser Erde unserem Wohlbefinden unterzuordnen, und werden damit auf lange Sicht mehr kaputt machen als profitieren. Denn wir sind gerade mit Volldampf dabei erst unsere Lebensgrundlage und somit uns selbst zu zerstören. Mit jedem gerodeten Quadratmeter Regenwald, mit jedem gefahrenen Autokilometer, berauben wir künftige Generationen ihrer Lebensgrundlage- einer intakten, sauberen Umwelt. Es liegt primär an jedem einzelnen von uns etwas zu tun. Gewohnheiten zu ändern ist leicht, wenn man es denn will. Es gibt bereits so viele gute Ideen und Ratschläge wie man als einzelner etwas bewirken kann. Etwa in die Arbeit mit dem Zug oder dem Rad zu fahren, statt das Auto zu nehmen. Weniger oft, dafür länger Urlaub machen um weniger Flugkilometer zurücklegen zu müssen, alternativ mit der Bahn fahren. Weniger Fleisch und Milchprodukte zu essen. Nur das zu kaufen, was man auch wirklich braucht. So viel sollte uns die Zukunft wert sein, dass wir einmal alle anfangen kritisch unser Tun und Handeln zu hinterfragen...

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